Theater

ERZÄHL MIR VON DIR, KEIMZELLE

Eine sehr deutsche Geschichte
Anabel Möbius, Nicolai Gonther

Premiere: 16. Dezember 22

PREMIERE: 16.12.2022, 20:00 Uhr
Aufführungen: 17.12.//18.12.2022//19.01.//21.01.2023, jeweils 20:00 Uhr

Plakat Keimzelle WEB.jpg„Das ist ein Abend, in den man gerne geht.“ – Gerhard Schröder

Deutschland 2022. Meine Familiengeschichte ist eine ziemlich deutsche gemessen an der Tatsache, dass der eine Teil meiner Familie versucht hat den andern Teil meiner Familie auszurotten. Das hat so mittelgut funktioniert, würde ich sagen. Naja, weil, offensichtlich lebe ich. Während an dem einem Küchentisch von Dresden geredet wird, schweigt der andere über Auschwitz. Was soll ich sagen, ganz schön anstrengend manchmal. Weil, ganz so alles-wieder-gut ist es dann eben doch nicht. Trotz Gedenkstättenbesuchen, Kniefällen und Verantwortungs-Beschwörungen. Ganz so alles-wieder-gut ist es nicht, wenn die meisten Leute in meiner Generation davon überzeugt sind, dass ihre Großeltern gar keine Nazis waren. Ganz so alles-wieder-gut ist es nicht, wenn die Entnazifizierung dazu geführt hat, dass die einen weiter Nazis waren und die anderen weiter Angst hatten. Ganz so alles-wieder-gut ist es nicht, wenn einige Geschichten verschwiegen und andere vergessen wurden. Ganz so gut ist es nicht. Ich heiße Sie herzlich willkommen, zu einem unerlösten Abend.

ERZÄHL MIR VON DIR, KEIMZELLE ist eine performative Konfrontation mit der deutschen Erinnerungskultur. Ausgehend von ihrer eigenen Familiengeschichte nimmt die Schauspielerin Anabel Möbius dominante Erzählungen über Opfer und Täter*innen, unerfüllte Erlösungs-Versprechen und deutsche Traditionen von Aspik bis Antisemitismus in den Blick. Ein sprach-, klang- und bildgewaltige Aneignung deutscher Nachkriegsgeschichte mit Musik von Nicolai Gonther.

Mit: Anabel Möbius (Text, Konzept, Spiel, Bühne, Kostüme, Produktionsleitung), Nicolai Gonther (Musik, Regie, Spiel, Bühne), Nils Heck (Video), Roman Schmitz (Dramaturgische Beratung), Nils Heck (Video), Roman Schmitz (Dramaturgische Beratung)

Dieses Projekt wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und dem Hessischen Ministerium für Kunst und Wissenschaft.
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Anabel Möbius, geb. 1993 in Saarbrücken. 2012-16 Schauspielstudium an der HfMDK Frankfurt am Main. 2016-2019 und 2020-22 im Ensemble des Staatstheaters Darmstadt, seither freiberuflich tätig u.a. an den Staatstheatern Karlsruhe und Mainz, studio naxos und Kunstfest Weimar und für Film und Fernsehen, sowie als Sprecherin. Sängerin und Texterin der Band "Alle werden fallen". 2019 Beste Nachwuchsschauspielerin bei den Hessischen Theatertagen. Seit 2019 Studium der Soziologie und Judaistik an der Goethe Universität Frankfurt. 2021 Postgraduiertenförderung der Hessischen Theaterakademie für künstlerisches Forschen.

Link: Anabel Möbius

Nicolai Gonther, geb. 1993 in Marburg. 2014-18 Schauspielstudium an der HfMDK Frankfurt. Seit 2011 Sänger und Produzent der Bands "Alle werden fallen" und "Alltag" und Techno-Live-Artist "Hyperfokus". Gastengagements als Schauspieler u.a beim Kunstfest Weimar, Schauspielhaus Erfurt und studio naxos sowie für Film und Fernsehen. 2018 musikalische Eigenproduktion "Killdozer – Eine Operette" an den Landungsbrücken. 2018-22 im Ensemble des Landestheaters Tübingen. Theatermusik für Produktionen u.a. am Staatstheater Darmstadt und Landestheater Tübingen. Alumni der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Förderpreisträger der HfMDK. 2022 Stipendiat des Bundesverbands Pop.

Link: Nicolai Gonther

Buch
Anabel Möbius, Nicolai Gonther
Regie
Mit
Anabel Möbius, Nicolai Gonther
Weitere
Nils Heck (Video), Roman Schmitz (Dramaturgische Beratung)