Theater

ODER WIE GEWALT

Bll.Blm.Blstd. Soviel Liebe auf einmal.
inspiriert von Motiven des Böll

Premiere: 23. Oktober 26

PREMIERE am 23.10.2026
Aufführungen am
08.11.2026, 20:00 Uhr
05.12.2026, 20:00 Uhr
06.12.2026, 20:00 Uhr

WhatsApp Image 2026-07-06 at 14.54.58 III.jpeg„Oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ ist der Untertitel von Heinrich Bölls Pamphlet „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“.

Irgendwas mit Medien. Ein präzises Sittenbild der 70er Jahre und dabei wahlweise erstaunlich oder erschreckend zeitlos. Denn die Mechanismen, die Themen und auch die Menschen sind immer die gleichen geblieben. Mit dem Unterschied: Wir müssten es heute eigentlich noch besser wissen. Denn wir haben ja Böll in der Schule gelesen. Oder zumindest den Trailer von Schlöndorffs Romanverfilmung gesehen. Wallraff ist inzwischen bei RTL und wir informieren uns über TikToK. Und überhaupt, die Manipulierten, das sind immer die Anderen.

Böll verarbeitet in Blum eigene Erfahrungen. Im Zuge der Hysterie um die sogenannte Baader-Meinhof Bande hatte „Der Spiegel“ einer Glosse Bölls über die kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme der Bild-Zeitung ohne Rücksprache mit dem Autor den Clickbait-Titel „Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?“ verpasst und Böll einen Shitstorm beschert, bei dem der Vorwurf der Terrorismusunterstützung noch das Harmloseste war. Bölls treffender Originaltitel: „Soviel Liebe auf einmal“.

Blum entwickelte sich nun wiederum zur selbsterfüllenden Prophezeiung in eigener Sache. Der spätere Bundespräsident Carl Carstens, der das Buch offensichtlich nicht gelesen hatte, forderte den Autor auf, sich von Terrortätigkeit zu distanzieren und die „Welt“ empörte sich, dass in dem Roman zum Mord an Journalisten aufgerufen werde. Der Roman an sich und vor allem die titelgebende Figur teilen das gleiche Schicksal. Es wird über einen Menschen gesprochen, ein Charakter gezeichnet, ein Leben ent- und letztendlich verworfen. Ohne dass dieser Mensch selbst eine Chance bekommt, gegen die haltlosen, unwahren, ehrverletzenden, sich selbst bestätigenden Behauptungen Stellung zu beziehen. Katharina Blum bleibt gleichermaßen als Roman und als Figur eine Projektionsfläche. Eine perfekte Projektionsfläche für die Ansprüche, Befindlichkeiten und Bedürfnisse anderer.

Blasted und ihre Mitstreiter:innen, Performer:innen und Expert:innen laden ein zu einer Dokumentartheater-Fiktion. Auf der Suche nach dem Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmöglichkeit zeichnen sie Wege aus der medialen Unmündigkeit. Angelehnt an die polizeilichen, journalistischen und sonstigen gesellschaftlichen Figuren bei Böll und angereichert mit aktuellen Bezügen und Querverweisen, sprechen sie über die betroffene Figur und konstruieren so ein vermeintlich stimmiges Bild einer Person, die unsere Erwartungen an eine solche Person bestätigt und erfüllt.

So sehr, dass das Auftauchen des tatsächlichen Menschen in einer solchen Konstellation irritiert und stört. Wo bei Böll Blum mit der Pistole auf den Boulevard-Journalisten Tötges zielt, wirft Blasted die Frage nach der Macht der Medien und der Gewalt, die sie ausüben, dahin zurück, wo sie schon immer hingehörte. Auf uns selbst.

Wir erleben eine Glaubwürdigkeitskrise althergebrachter Institutionen in einer Welt, die aus den Fugen geraten scheint. Diese Welt nun ausgerechnet an einem Ort zu erklären, dem man das Wahre, Schöne, Gute zuschreibt, der aber naturgemäß erst mal nur aus Behauptung besteht, ist ein Anspruch, dem sich ODER WIE GEWALT stellt. Denn, wenn jemand sagt, es regnet, und eine andere Person sagt, dass es trocken ist, ist es nicht die Aufgabe von Theater, beide gleich lang zu Wort kommen zu lassen und dann festzustellen, dass Uneinigkeit beim Wetter herrscht. Es ist seine Aufgabe, verdammt nochmal aus dem Fenster zu schauen und herauszufinden, was eigentlich Sache ist. Sagen, was ist.

NACH MOTIVEN VON
Heinrich Böll

REGIE & KONZEPT & TEXTE & RAUM
Felix Bieske & Linus Koenig

MIT
Jochen Döring, Andreas Jahncke, Nora Kühnlein, Sam Michaelson, Randi Rettel, Léa Zehaf

KOSTÜM
Prisca Ludwig

KÖRPERARBEIT
Katharina Wiedenhofer

MUSIK
Thomas Buchenauer

FOTOGRAFIE
Christian Schuller

Eine Koproduktion von Landungsbrücken Frankfurt mit Blasted Productions 2026

Buch
inspiriert von Motiven des Böll
Regie
Felix Bieske & Linus Koenig
Mit
Andreas Jahncke, Jochen Döring, Léa Zehaf, Nora Kühnlein, Randi Rettel, Sam Michaelson.
Kostüme
Prisca Ludwig
Weitere
MUSIK Thomas Buchenauer FOTOS Christian Schuller