Theater
Premiere: 10. Dezember 26
Premiere am 10. Dezember 2026, 20:00 Uhr
Aufführungen am
18.12.2026, 20:00 Uhr
19.12.2026, 20:00 Uhr
Kinderleben ist eine postdramatische Theaterinszenierung nach dem gleichnamigen Text von Tamara Labas. Die Arbeit widmet sich der Aufarbeitung systematischer Gewalt an Kindern in institutionellen und familiären Kontexten der deutschen Nachkriegs- und Migrationsgeschichte und fragt zugleich nach den Kontinuitäten dieser Gewalt bis in die Gegenwart.
Ausgangspunkt des Stückes sind die Schicksale sogenannter „Kofferkinder“ aus Gastarbeiterfamilien sowie der sogenannten „Verschickungskinder“, die in der Bundesrepublik der 1950er bis 1980er Jahre allein zur Kur in Erholungsheime geschickt wurden. In beiden Fällen wurden Kinder aus ihrer vertrauten Lebenswelt herausgerissen und der Obhut fremder Institutionen überlassen – häufig unter Bedingungen von Vernachlässigung, psychischer und physischer Gewalt, teils auch medizinischem Missbrauch. Diese historischen Erfahrungen werden im Stück mit den ideologischen Nachwirkungen nationalsozialistischer Denk- und Machtstrukturen verschränkt, insbesondere mit Blick auf das NS-„Euthanasie“-Programm („Aktion T4“) und seine mentalen Kontinuitäten in der Nachkriegszeit.
Kinderleben ist kein psychologisch-realistisches Drama, sondern ein Assoziationsraum aus dokumentarischen Aussagen, biografischen Fragmenten, performativen Körperbildern, Sound, Tanz und Video. Die Dramaturgie ist bewusst nicht-linear: Vergangenheit und Gegenwart überlagern sich, Erinnerungen brechen ein, Aussagen widersprechen sich. Die Atmosphäre einer Gerichtsverhandlung – als formales und ethisches Motiv – durchzieht die Inszenierung und verweist explizit auf die Tradition des Dokumentartheaters, insbesondere auf Peter Weiss’ Die Ermittlung. Gleichzeitig steht die Inszenierung in der Brecht’schen Tradition, wobei der Epilog einer Gebrauchsanweisung ohne Lösung gleicht: „Der Vorhang zu und alle Fragen offen“.
Mit Kinderleben soll nicht nur ein Theaterabend entstehen, sondern ein Beitrag zur kulturellen Erinnerungsarbeit. Sowohl der Text als auch die Inszenierung werden im Fach der Autorin in der Bibliothek der Generationen im Historischen Museum Frankfurt dokumentiert. Damit erhält das Projekt eine nachhaltige Verankerung im städtischen Gedächtnisraum und verbindet Theater mit Archiv, Forschung und öffentlichem Diskurs.
Kinderleben sensibilisiert für die Position des Kindes in gesellschaftlichen Machtverhältnissen und stellt die unbequeme Frage nach dem kollektiven Wegschauen. Die historischen Themen des Stücks werden dabei bewusst in Beziehung zu aktuellen Formen institutioneller Gewalt gesetzt – von sexualisierter Gewalt in Kirchen, Sportvereinen und pädagogischen Einrichtungen bis hin zu heutigen „Kofferkindern“ im Kontext globaler Care-Arbeit. Das Projekt versteht sich als politisch engagiertes Gegenwartstheater, das ästhetische Vielfalt mit einem dringlichen ethischen Diskurs verbindet.
Mit anschließendem Publikumsgespräch.
„Mein Wunsch ist es, mit diesem Stück ein künstlerisches Denkmal für die „Kofferkinder“ und die „Verschickungskinder“ zu schaffen. Letztendlich für alle Kinder dieser Welt, deren Stimmen ungehört bleiben, die Gewalt erfahren und deren Bedürfnis nach Schutz, Zuwendung und Gesehenwerden verletzt wird“, Tamara Labas, Autorin.
Das Ensemble
Tamara Labas: Dramaturgie, Regie, Spiel, Sound
Gaetano Biccari: Dramaturgie, Regie, Spiel, Drums
Larissa Rexhaus: Spiel, Tanz, Gesang
Josephine Anna Rosa Kraemer: Video, Raum, Licht
Thusjanthan Manoharan/ :Yahli: Performatives Zeichnen
Mit freundlicher Unterstützung
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
Haus der Stadtgeschichte Offenbach
Wilhelm-Merton-Schule Frankfurt
Medienbildungszentrum Süd
Eine Veranstaltung von Labas’ Lab. KreativLabor für Kunst und Kultur

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