Theater

ODER WIE GEWALT

Bll.Blm.Blstd. Soviel Liebe auf einmal.
Felix Bieske & Linus Koenig

Premiere: 23. Oktober 26

PREMIERE am 23.10.2026
Aufführungen am
08.11.2026, 20:00 Uhr
05.12.2026, 20:00 Uhr
06.12.2026, 20:00 Uhr

WhatsApp Image 2026-07-06 at 14.54.58 III.jpeg„Du denkst, Du bist die Mitte, doch das bist Du nicht. Du denkst, Du bist ein Guter, doch das bist Du nicht. Du denkst, es gibt Beweise, doch das stimmt so nicht. Das Einzige, was stimmt: Du bist in Germany.“

Deutschland im Herbst. Eine Glaubwürdigkeitskrise althergebrachter Institutionen in einer Welt, die aus den Fugen scheint. Diese Welt nun ausgerechnet im Theater zu erklären, einem Ort, dem man das Wahre, Schöne, Gute zuschreibt, der aber naturgemäß erst mal nur aus Behauptung besteht, ist ein Anspruch, dem sich ODER WIE GEWALT stellt. Denn, wenn jemand sagt, es regnet, und eine andere Person sagt, dass es trocken ist, ist es nicht die Aufgabe von Theater, beide gleich lang zu Wort kommen zu lassen und dann festzustellen, dass Uneinigkeit beim Wetter herrscht. Es ist seine Aufgabe, verdammt nochmal aus dem Fenster zu schauen und herauszufinden, was eigentlich Sache ist. Sagen, was ist.

Blasted und ihre Mitstreiter:innen, Performer:innen und Expert:innen laden ein zu einer Dokumentartheater-Fiktion. Man stelle sich vor: Ulrike Meinhof moderiert "Aktenzeichen XY" und stellt erst im Verlauf der Sendung entsetzt fest, die Gesuchte ist sie selbst. Die Zuschauenden setzen aus vielen kleinen Schnipseln ein vermeintlich stimmiges Bild einer Person zusammen, die ihre Erwartungen an eine solche Person bestätigt. Eine perfekte Projektionsfläche für die Ansprüche, Befindlichkeiten und Bedürfnisse anderer. Und zwar so perfekt, dass das Auftauchen des tatsächlichen Menschen nur irritieren und stören kann.

Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Weil alle schon genau zu wissen glauben, was es zu wissen gibt. Über mich. Über das, was ich tue. Was ich denke. Was ich fühle. Und vor allem über das warum. „Wo ich denke: Lern mich doch erstmal kennen, Du kennst mich doch gar nicht. Der, der da draußen beschrieben wird, den kenne ich nicht, also das bin ich nicht“. Sagt Matthias Döpfner. Der CEO von Springer. Über sich selbst. Und beschreibt damit ganz gut, was das eigentlich ist, womit er sein Geld verdient. Irgendwas mit Medien. Mediengewalt. Er müsste es heute eigentlich besser wissen. Denn er hat ja Böll in der Schule gelesen. Oder zumindest den Trailer von Schlöndorffs Romanverfilmung gesehen.

„Oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ hat Heinrich Böll seinen Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ untertitelt. Böll weiß, wovon er spricht. „Der Spiegel“ hatte einer Glosse Bölls über die Bild-Hysterie um die sogenannte Baader-Meinhof Bande ohne Rücksprache mit dem Autor einen Clickbait-Titel verpasst und Böll damit einen Shitstorm beschert, bei dem der Vorwurf der Terrorismusunterstützung noch das Harmloseste war. Der Originaltitel: „Soviel Liebe auf einmal“.

Blum entwickelte sich nun wiederum zur selbsterfüllenden Prophezeiung in eigener Sache. Der Roman an sich und vor allem die titelgebende Figur teilen das gleiche Schicksal. Katharina Blum bleibt gleichermaßen als Roman und als Figur eine Projektionsfläche. Es wird über einen Menschen gesprochen, ein Charakter gezeichnet, ein Leben ent- und letztendlich verworfen. Ohne dass dieser Mensch selbst eine Chance bekommt, gegen die haltlosen, unwahren, ehrverletzenden, sich selbst bestätigenden Behauptungen Stellung zu beziehen. Jason Arday ist Blum. Klima-Shakira ist Blum. Günther Kiessling ist Blum. Amanda Knox ist Blum. Böll ist Blum. Wir sind Blum.

Nach einer wahren Geschichte. Wo bei Böll Blum mit der Pistole auf den Boulevard-Journalisten Tötges zielt, wirft Blasted die Frage nach der Macht der Medien und der Gewalt, die sie ausüben, dahin zurück, wo sie schon immer hingehörte. Auf uns selbst.

REGIE & KONZEPT & TEXTE & RAUM
Felix Bieske & Linus Koenig

MIT
Jochen Döring, Andreas Jahncke, Nora Kühnlein, Sam Michelson, Randi Rettel, Léa Zehaf

KOSTÜM
Prisca Ludwig

KÖRPERARBEIT
Katharina Wiedenhofer

MUSIK & TITELSONG
Thomas Buchenauer

FOTOGRAFIE
Christian Schuller

Eine Koproduktion von Landungsbrücken Frankfurt mit Blasted Productions 2026

Buch
Felix Bieske & Linus Koenig
Regie
Felix Bieske & Linus Koenig
Mit
Andreas Jahncke, Jochen Döring, Léa Zehaf, Nora Kühnlein, Randi Rettel, Sam Michelson.
Kostüme
Prisca Ludwig
Weitere
MUSIK Thomas Buchenauer FOTOS Christian Schuller