Theater

WOYZECK

Büchner. Fragmente. Kortmann. Die Wiederaufnahme.
Georg Büchner

Premiere: 20. Februar 16

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Woyzeck.jpgDas Jahr 2016 beginnt für das Theater Sarah Kortmann mit der Wiederaufnahme eines Klassikers. In Kooperation mit den Landungsbrücken Frankfurt und mit neuer Besetzung wird die erfolgreiche Produktion Woyzeck oder der Mangel an Alternativen (2010) wieder auf die Bühne gebracht.

...so einen Woyzeck haben wir noch nicht gesehen.(FAZ, 22.02.2010)

„Ein guter Mord, ein echter Mord, ein schöner Mord.“ Der Soldat Franz Woyzeck hat seine Geliebte Marie mit einem Messer erstochen. Was waren die Gründe für die Tat? Maries offensichtlicher Betrug mit dem Tambourmajor oder die fragwürdigen Experimente des Doktors an denen Woyzeck nur teilnimmt um zusätzlich Geld zu verdienen?

Regisseurin Sarah Kortmann macht sich für ihre Inszenierung des Woyzecks die Fragmentierung des Stückes zu nutze. Das entscheidende Verbrechen, der Mord an Marie, bildet den Auftakt des Stückes. Nach und nach werden die restlichen Handlungsfragmente chronologisch rückwärts erzählt. Erst am Ende des Abends kennt der Zuschauer Woyzecks ganze Vorgeschichte. Die rückwärts verlaufende Handlung hat keine klare Reihenfolge, sondern entwickelt sich jeden Abend neu. Der Zuschauer wird Einfluss auf die Abfolge der Bühnengeschehnisse haben. Das Publikum wird zu einem Teil von Woyzecks Erfahrungswelt und ist gleichzeitig mit seiner Entwicklung verknüpft.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Inwieweit sind wir abhängig von unserem Umfeld, unseren Erlebnissen und unseren Erfahrungen? Die Familie, der Job, aber auch die wirtschaftliche Situation und die politische Ausrichtung der jeweiligen Regierung beeinflussen uns in unserem persönlichen Dasein. Wir existieren nicht allein, sondern auch durch Andere. Woyzeck soll nicht nur als Opfer der sozialen und gesellschaftlichen Umstände dargestellt werden. Maries Untreue ist nicht die Ursache für den Mord, sondern der Auslöser. Indem er seine Geliebte tötet, folgt er nicht mehr der gesellschaftlichen Triebunterdrückung. Es ist ein Akt der Befreiung von den Institutionen seiner Unterdrückung und Vereinnahmung. Woyzeck ist Opfer und Täter in einer Person.

Buch
Georg Büchner
Regie
Sarah Kortmann
Mit
Jochen Döring, Sarah Kortmann, Marius Schneider und Marlene Zimmer.